11. Oktober 2013

Klaus-Peter Wolf - Todesbrut



Handlung

Es ist bestätigt, die Vogelgrippe ist mutiert und kann nun auch von Mensch zu Mensch übertragen werden. In New York und Düsseldorf sind die ersten Fälle bestätigt. Aber nicht nur dort, auch in Ostfriesland, genauer gesagt in Emden hat man die ersten Patienten schon entdeckt...
Emden wird zum Sperrgebiet, die Fähre nach Borkum treibt ohne Ziel über die Nordsee und auf einer Hühnerfarm bricht das Chaos aus.

Mein Fazit

Eigentlich habe ich mich ja immer gesträubt eines der Bücher von Klaus-Peter Wolf zu lesen. Warum? Nicht weil ich ihn bisher für einen schlechten Autoren halte, sondern weil ich irgendwie kein Fan von diesen Regional Krimis bin und bei ihm immer noch erschwerend hinzukommt, dass er über Ostfriesland schreibt, was immerhin meine Heimat ist. Aber an Todesbrut habe ich mich dann doch mal gewagt, weil ich irgendwie von dem Cover fasziniert war. Schlicht, einfach und irgendwie gänsehautmäßig.
Auf einen Thriller, also mal wieder was anderes von dem was ich sonst so lese, hatte ich mich auch eingestellt und war eigentlich guter Dinge, als ich angefangen habe zu lesen...

Das Ganze fing eigentlich auch mehr als genial an. Emden, die Fähre und überhaupt die ganze Situation wurde klasse dargestellt. Man bekam richtig ein Gefühl dafür wie den Menschen klar wurde, welche Art der Bedrohung auf sie zu kam. Besonders schön fand ich da folgendes Zitat:
Der sonst stets zu Scherzen aufgelegte Schollmayer hatte eine merkwüdig belegte Stimme beim Sprechen. Entweder war ihm die Tragweite der Meldung schon bewusst oder er brauchte dringend einen Schluck Wasser und ein Halsbonbon.
Durch diesen kleinen Absatz hat mit Wolf eine richtige Gänsehaut über den Rücken gejagt. Fragt mich nicht wieso, vielleicht weil einem die Stimme des Schollmayers mehr als bekannt ist, auch wenn er mittlerweile bei FFN arbeitet und einfach weil es die dunkeln und bösen Vorahnungen so richtig schön auf den Punkt bringt. Wenn ich jetzt noch drüber nachdenke bekomm ich schon wieder Gänsehaut...

Nur leider hat diese Stimmung in meinen Augen überhaupt nicht angehalten. Es hat sich zwar noch eine ganze Weile hin retten können, während man so beobachtete wie die Menschen mit der zunehmenden Bedrohung durch die mutierte Vogelgrippe umgehen, aber irgendwann machte die Steil hoch geschossene Spannungskurve einen uneleganten Satz nach unten und sorgte eher für Verwirrung und Irritation denn für irgendwas anderes, von Spannung wollen wir nicht mal mehr sprechen.

Warum spreche ich von Verwirrung? Ganz einfach, weil ich keinen Sinn darin entdecken konnte, dass sich eine irgendwo in den Zwanzigern befindliche Tussi (habe keine andere Umschreibung für die zur Hand ^^“) und ihre Freundinnen sich mit einem ca. 70 jährigen Ehepaar prügeln um einen Platz in einem VW Golf zu bekommen, wobei dieser VW Golf auch noch auf der Fähre nach Borkum stand und diese Fähre schon ohne Ziel über die Nordsee trieb... Versteh ich immer noch nicht und will ich vermutlich auch gar nicht.
Genauso wenig habe ich den borkumer Polizisten verstanden, der völlig weg geschnappt ist nach dem er gesehen hat wie jemand gestorben ist und dann angefangen hat eine Frau zu stalken und sich dann irgendwann umgebracht hat... Ähm ja, tut mir leid, raff ich nicht, kann ich weder verstehen noch nach fühlen.
Das Ganze könnte ich jetzt noch um das eine oder andere Beispiel ergänzen, aber ich denke es reicht erst mal um zu zeigen, dass es einige Dinge gab wo ich nur noch mit dem Fragezeichen vorstand.

Was auch echt nervig war, war die Tatsache, dass wir nicht eine Handvoll von Charakteren hatten an den unterschiedlichen Orten, die im Verlauf der Geschichte verfolgt wurden, sicherlich gab es den ein oder anderen, den man öfter sah und dem man mehr Wichtigkeit beimessen konnte. Aber eigentlich hat der Autor einen - zumindest mich - mit einer dermaßen Fülle an Namen und Figuren zu geschüttet das ich manchmal nicht mehr wusste welche Rolle diese Figur nun auch noch übernommen hat. Hinzu kamen die Häufigen Wechsel zwischen den Figuren die verfolgt wurden. Es war einfach nur zu viel des guten. Das hat noch zusätzlich zu meiner Verwirrung bei getragen, was ich auch nicht gerade förderlich fand.

Während die Spannung also immer weiter abgeflacht ist und ich vor lauter Charakteren und ihren seltsamen Handlungen fast nicht mehr wusste wo oben und unten ist habe ich irgendwann nur noch angefangen zu hoffen, dass das ganze wenigstens darauf hinauslaufen würde, dass die Fähre wenigstens sinkt... Aber leider war mir nicht mal das vergönnt. Schade aber auch.
Also bleibt nur zu sagen, dass es ein glorreicher Anfang war, die Idee und das Große und Ganze zwar eigentlich gar nicht mal schlecht war, genauso wenig wie der Schreibstil des Autors, aber da war nicht einfach nur die Luft raus, nein das sah eher nach einer Fähre aus die langsam, aber sicher absäuft ohne Rücksicht auf Verluste...


4 von 10 Punkten
(Mehr als) Bedenklich!

2 Kommentare:

  1. "aber irgendwann machte die Steil hoch geschossene Spannungskurve einen uneleganten Satz nach unten und sorgte eher für Verwirrung und Irritation denn für irgendwas anderes"
    Prust xD Der Satz sagt schon alles über das Buch aus, was man wissen muss *g*

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    1. *guckt ganz unschuldig und pfeift vor sich hin*

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